Neue Westfälische, 22.01.2011

Pflegedienste benotet

Medizinischer Dienst bewertet Gütersloher Einrichtungen/Kritiker bemängeln Prüfkriterien

Gütersloh. WeIcher Pflegedienst ist der richtige? Die Suche danach kann mühsam sein. Die Entscheidung erleichtern soll eine Qualitätsprüfung, die der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen vornimmt. Die Noten, die der MDK verteilt, stehen nun nach und nach im Internet.

VON LUDGER OSTERKAMP

Rund drei Viertel der ambulanten Pflegedienste in Gütersloh sind mittlerweile benotet. Sie haben Schulnoten von 1 (sehr gut) bis 5 (mangelhaft) erhalten. Demnach schneidet mit der Note 1,2 der Verein Daheim (Dammstraße) am besten ab, gefolgt vom Arbeiter-Samariter-Bund (Badstraße, Note 1,3) und dem Pflegedienst Christa Solomon (Schillstraße, Note 1,4).

Weniger gut stehen andere Pflegedienste da. Das Unternehmen von Swetlana Rautenberg (Am Heidewald) bekommt eine glatte 5, desgleichen die WF Kranken-& Seniorenpflege-Ambulanz (Hochstraße). Kaum besser wird die ambulante Pflege von der Diakoniestation und dem Zirkel benotet.

„Natürlich sind wir über das Ergebnis sehr glücklich”, sagte der Geschäftsführer des Vereins Daheim, Burkhard Kankowski. Die Note spiegele die gute Arbeit, die Daheim leiste, durchaus wieder. „Für uns zahlt sich aus, dass wir 1999 ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem eingeführt haben”, sagte Kankowski. Laut Pflegedienstleiterin Marlene Kuhlmann steht die Note für Daheim erst seit Anfang der Woche im Netz. Mit 413 Menschen, die Daheim ambulant pflegt (siehe Zahlen in der Grafik), ist der Verein zugleich mit Abstand der größte. Er beschäftigt rund 200 Mitarbeiter in diesem Bereich. ,

Auch der Arbeiter-Samariter-Bund ist laut Geschäftsführerin Cornelia Tiemann froh über die exzellente Note. „Sie belegt, dass wir gute Arbeit leisten und sie sorgfältig dokumentieren.” Der Samariter-Bund begrüsse die neue Form der Transparenz, die sich aus dem MDK-Vergleich und der Veröffentlichung im Internet ergebe; gleichwohl gebe es auch Kritik anzubringen. „Die Vergleichskriterien sagen eher etwas über die Art und Weise der Dokumentation als über die Qualität der Pflege aus”, sagte Tiemann.

Ein Kritikpunkt, dem sich Daheim-Geschäftsführer Kankowski anschließt. „ln der Tat ist der Aspekt der Dokumentation überbewertet.” Die Prüfer achteten darauf, dass jede Pflegehandlung, jedes Gespräch, jede Mahlzeit ordentlich eingetragen sei, nicht aber darauf, ob die Pflege, das Gespräch, das Essen gut sei. Dennoch: „Wer eine Top-Dokumentation hat, aber eine miserable Pflege, kommt am Ende auch nicht gut weg.”

Auch ASB-Chefin Tiemann sagte, dass das Ergebnis durchaus Ausssagekraft und zurecht die Spreu vom Weizen trenne.

„Am liebsten gar nichts zu diesem unsäglichen Thema sagen” wollte indes Erika Fischer, Geschäftsführerin und Inhaberin der WF Kranken- und Seniorenpflege. „Diese Transparenzberichte und dieser Vergleich sind doch völlig unausgegoren”, schimpfte Fischer. WF war am 26. Oktober vom Medizinischen Dienst geprüft worden; die Prüfer gaben WF in allen drei Oberkategorien und somit auch in der Gesamtnote ein „mangelhaft”. Fischer wies indes auf die Befragung der Kunden hin (die nicht in die Bewertung einfließt). Dort haben alle fünf Befragten der WF eine ,,1" gegeben. „Da sieht man mal, was von diesem Vergleich zu halten ist.”

Ungerecht beurteilt fühlt sich auch die Diakoniestation an der Kirchstraße. „Um die Qualität der Pflege beurteilen zu können, braucht es andere Maßstäbe als die, die der MDK anlegt”, sagte Bereichsleiterin Christa Rix. Auch bei der Diakonie gibt es eine auffällige Diskrepanz zwischen der Noten der Prüfer (4,7) und der der Pflegebedürftigen (1,1). „Wir sind dankbar für die gute Bewertung der Kunden, darauf wollen wir aufbauen”, sagte Rix. Man habe den Transparenzbericht zum Anlass genommen, die beanstandeten Mängel zu beheben. „Wir planen, bald eine Wiederholungsprüfung zu beantragen. Das ist der beste Weg, zu einer Note zu kommen, die unsere gute Arbeit wiedergibt.”


Prüfer kommen unangemeldet

• Die Einrichtungen der stationären und ambulanten Pflege erhalten seit Juli 2009 Noten. Sie werden vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen vergeben und über die Krankenversicherungen im Internet veröffentlicht. Für Gütersloh werden sie derzeit nach und nach eingestellt. Die Prüfer kommen unangemeldet und vergeben Noten in 37 Kriterien; für „pflegerische Leistungen” (17 Kriterien), „ärztlich verordnete pflegerische Leistungen” (10) sowie „Dienstleistung und Organisation” (10). Der Bereich „Befragung der Kunden” (12) fließt nicht in die Note mit ein. Die Prüfer kommen jährlich. www.pflegelotse.de

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Haben die beste Note bekommen: Mitarbeiter des Vereines Daheim (Dammstraße) mit Claudia Lauhoff, Linda Stelte, Ella Ewald, Leonarda Nilo, Susanne Hoffmann, Pflegedienstleiterin Katja Hornberg-Dobra, Pflegedienstleiterin Marlene Kuhlmann, Dagmar Thiel Antonia Schneider und Geschäftsführer Burkhard Kankoswki (von links). FOTOS: RAIMUND VORNBÄUMEN